Jeder Fünfte erkennt keinen Schlaganfall

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Herzinfarkt und Schlaganfall zählen weltweit zur Todesursache Nummer eins. Um so erstaunlicher ist es, dass Europäer überraschend wenig über die ersten Anzeichen wissen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in neun europäischen Ländern.

Der Begriff Herzinfarkt bezeichnet das teilweise Absterben des Herzmuskels. Der Grund ist ein Gefäßverschluss in mindestens einem der großen Herzkranzgefäße oder einem Gefäßast. Der Verschluss hat zur Folge, dass das Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend durchblutet wird und abstirbt. Zwei Drittel aller Infarkte treten jenseits des 65. Lebensjahres auf.

►Ursachen: Meistens verkalkte Blutgefäße. Durch Ablagerungen – sogenannte Plaques – an den Wänden der Gefäße, die den Herzmuskel mit Blut und Sauerstoff versorgen. In den Ablagerungen bilden sich minimale Risse, an die sich nachfolgend Blutplättchen anlagern, um den Riss zu verschließen. Ist das Gefäß völlig verstopft, ist die Sauerstoffzufuhr des Herzens unterbrochen – es kommt zum Infarkt.

►Symptome: Starkes Druckgefühl im Brustkorb, das auch in den Hals oder Bauch ausstrahlen kann. Gleichzeitig kommt es zu Schweißausbruch, Übelkeit, Todesangst. Diese Beschwerden sind übrigens bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Bei Frauen überwiegen allgemeines Unwohlsein und schwere Atemnot. Selten kann ein Herzinfarkt auch stumm, also ohne wesentliche Beschwerden ablaufen. Das ist oft bei älteren Menschen der Fall.

►Therapie: Das vom Infarkt verschlossene Herzkranzgefäß muss sehr schnell mithilfe eines Katheters geöffnet werden. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch vorsichtig in die verstopften Gefäße geschoben. Zusätzlich werden Medikamente eingesetzt – eine Maßnahme, die einen erneuten Infarkt verhindern soll. Zu den weiteren Maßnahmen gehört außerdem eine dauerhafte Behandlung mit Medikamenten. Diese Langzeit-Therapie besteht vor allem aus Acetylsalicylsäure zur Hemmung der Blutgerinnung und aus Betablockern.

►Vorbeugung: Das Herz sollte geschont werden, indem Risikofaktoren für die Ausbildung einer Arterienverkalkung vermieden werden wie zum Beispiel Rauchen, Übergewicht und Dauerstress. Immer auf regelmäßige Bewegung achten (mindestens 30 Minuten täglich).

Laut der repräsentativen Befragung des Instituts innerhalb Europas erkennen viele Menschen nicht die typischen Warnsignale. Nur der Brustschmerz ist das einzige Herzinfarktsymptom, das mehr als der Hälfte der Europäer bekannt ist.

Beim Thema Schlaganfall ist die Unwissenheit weit verbreitet: Knapp einem Fünftel der Europäer wissen nicht, wie der sich der Anfall bemerkbar macht.

HERZINFARKT-SYMPTOME

Anzeichen eines akuten Herzinfarkts
• Anhaltende heftige Schmerzen (länger als fünf Minuten) oder starker Druck in der Brust, ausstrahlend in Schulter, Arm, Unterkiefer oder Oberbauch

Stärkere Schmerzen als bei der Brustenge (Angina pectoris), die sich nicht durch die Einnahme von Nitratspray bessern (wichtige Unterscheidung zum Angina-pectoris-Anfall)

Unruhegefühl bis hin zu Todesangst

Kalter Schweißausbruch und Blässe

Übelkeit und Erbrechen

Atemnot

Herzinfarkt-Vorboten

Folgende Anzeichen gehen einem Infarkt voraus:

• Brustenge-Gefühl

• Schmerzen in der linken Schulter, im linken Arm

• Halsschmerzen bis zum Unterkiefer

• gelegentlich Bauchschmerzen und/oder Übelkeit oder Unwohlsein

• Schwächegefühl, Angst

• Niedriger Blutdruck

Hintergrund: Für die Studie wurden 10 228 Personen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlanden, Großbritannien, Russland und Polen befragt. Die Befragten sollten Krankheitsanzeichen aus einer Liste auswählen, die ihrer Ansicht nach typisch für Herzinfarkt oder Schlaganfall sind.

Ergebnis: Von sechs Herzinfarktsymptomen erkannten die Deutsche am meisten – im Schnitt 3,2 Symptome. Italiener, Polen, Spanier und Russen hingegen erkannten weniger als zwei Symptome.

Aber wissen die Deutschen auch, was sie tun sollten, wenn sie Schlaganfallsymptome bemerken? Die richtige Antwort: Sofort einen Krankenwagen rufen – die Maßnahme, die Patienten am schnellsten die beste Behandlung garantiert. Nur 33 Prozent der Deutschen kamen drauf.

Statt den Krankenwagen zu rufen, empfahlen 28 Prozent der Deutschen und 30 Prozent der Österreicher den Betroffenen einen Tee oder ein Schluck Wasser zu trinken zu geben oder sich ins Bett zu legen und einfach abzuwarten.

DIE WICHTIGSTEN SCHLAGANFALL-FAKTEN

Ein Schlaganfall (Hirnschlag, Apoplex) zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jeder zweite Betroffene ist zum Zeitpunkt des Hirnschlags älter als 70 Jahre.

► Ursachen: In den meisten Fällen verschließt ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn (Embolie), oft in Folge von langjähriger Arterienverkalkung, bei der es zu Gefäßablagerungen kommt (sogenannter „ischämischer Insult“). In etwa 20 Prozent der Fälle ist eine Hirnblutung der Grund für einen Schlaganfall (hämorrhagischer Insult). Das betroffene Hirngewebe wird nicht mehr ausreichend durchblutet, erhält dadurch zu wenig Sauerstoff und stirbt ab.

► Symptome: Ob und in welcher Form es Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen gibt, hängt vor allem davon ab, welche Hirnbereiche geschädigt wurden. Einen ersten Schlaganfall überleben in Deutschland etwa 80 Prozent der Patienten. Gibt es in der Folge Komplikationen, z.B. einen weiteren Schlaganfall, verschlechtert sich die Prognose.

► Therapie: Unmittelbar nach dem Schlaganfall wird versucht, die Sauerstoffversorgung der betroffenen Hirnregion wiederherzustellen, damit möglichst wenig Hirngewebe geschädigt wird. Das geschieht mit Medikamenten, die das Blutgerinnsel im Gehirn auflösen oder das Blut verdünnen. Bei einer Hirnblutung kann eine OP notwendig sein. Folgeschäden werden etwa mit Reha-Maßnahmen behandelt (Krankengymnastik, logopädische Übungen).
Dr. Oliver Peters: „Es ist sehr wichtig, einen Hirnschlag umgehend zu behandeln, jede Minute zählt! Denn nur innerhalb der ersten Stunden kann eine Therapie eine vollständige Heilung ermöglichen.“

► Vorbeugung: Lassen Sie Ihr Blut regelmäßig kontrollieren! Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte und Diabetes sind Risikofaktoren. Auch Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag sollte man abklären lassen. Herzrhythmusstörungen wie etwa das Vorhofflimmern erhöhen das Risiko für eine Embolie und dadurch auch für einen Schlaganfall.
Ganz allgemein sollte man zur Vorbeugung gesund leben: regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Fett und Zucker. Übergewicht sollte man ebenso vermeiden wie übermäßigen Alkoholkonsum und Rauchen. Raucher haben doppelt so häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Nichtraucher und damit auch ein erhöhtes Schlaganfallrisiko!

Ist der Patient im Krankenhaus, wird je nach Art des Infarkts vorgegangen:

► Ist ein Blutgefäß im Hirn verschlossen (bei drei Vierteln der Schlaganfälle die Ursache), wird versucht, die Ader mittels eines Katheters oder durch Operation wieder zu öffnen. Gerinnsel können auch mit Medikamenten aufgelöst werden. Wichtig ist bei dieser Behandlung, dass sie in den ersten drei bis vier Stunden erfolgt, um gefährliche Nebenwirkungen zu minimieren.

► Ist der Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn ausgelöst worden, muss das Blut meistens durch eine OP aus dem Hirngewebe entfernt werden. Kommt es zu einer Schwellung im Gehirn, muss der Schädel geöffnet werden, um Platz für das Hirngewebe zu schaffen.

► Sehr wichtig ist eine intensive Nachbehandlung mit physiotherapeutischen, logopädischen und vielen weiteren Maßnahmen, um die verloren gegangenen Fähigkeiten so schnell wie möglich wiederherzustellen.

BEI DIESEN SYMPTOMEN SOFORT DEN NOTARZT RUFEN!

Ein Schlaganfall tut nicht weh, deswegen merken viele nicht, wenn er beginnt.

Wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Symptome bemerken, müssen Sie sofort den Notarzt rufen und sagen, dass Sie Verdacht auf Schlaganfall haben.
Sie sollten dann sofort ins nächste Krankenhaus mit „Stroke Unit“ gebracht werden.

Sehstörungen

► Plötzliche Einschränkung des Gesichtsfeldes, Betroffene übersehen Menschen/Gegenstände auf der rechten/linken Gesichtshälfte

► Plötzliche Blindheit auf einem Auge, teilweise nur kurzzeitig

► Doppelbilder: Gegenstände überlappen sich oder stehen nebeneinander. Betroffene greifen z. B. eine Tasse und fassen daneben.

Sprachstörungen

► Stockende, abgehackte Sprache. Verdrehen von Silben und Wörtern. Verwendung falscher Buchstaben.

► Der Betroffene spricht im Telegrammstil

► Lallen

► Kompletter Verlust der Sprache (selten).

Gesichts-Lähmungen

► Plötzliche halbseitige Lähmungserscheinungen im Gesicht!

► Ein Mundwinkel hängt runter.

► Prickelndes Taubheitsgefühl einseitig

Körper-Lähmung

► Meist plötzlich und halbseitig, in den meisten Fällen ist ein Arm und eine Hand betroffen, seltener auch
ein Bein.

► Auch ein gestörtes Berührungsempfinden (z. B. eingeschlafener Arm oder Fuß) kann auf einen Schlaganfall
hindeuten.

Schwindel und Gangunsicherheit

► Plötzlich auftretender Schwindel, Gleichgewichtsstörungen.

► Das Gefühl, auf einem Karussell zu fahren, auf einem Boot zu stehen oder mit einem Fahrstuhl
hinunterzusausen.

Wie können Menschen besser über Symptome aufgeklärt werden?

„Die Diskrepanz zwischen Symptom- und Handlungswissen ist vor allem in Deutschland überraschend“, sagt Studienleiterin Jutta Mata vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung die Studienergebnisse. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst oder eine Person aus dem Umfeld Schlaganfall- oder Herzinfarktsymptome erleidet, ist ja sehr hoch. Daher muss man sich die Fragen stellen, wie man das Wissen in diesem Bereich verbessern kann. Die Frage ist, ob das Wissen über Medizin, den eigenen Körper in die Schule gehört. Es soll natürlich nicht nur über Krankheiten bzw. deren Symptome aufgeklärt werden, sondern auch beispielsweise darüber, wie man Statistiken richtig auswertet, damit sich die Menschen in der modernen Medizin zurechtfinden können“, sagt Studienleiterin Mata.

Quelle: Bild.de

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